Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger

Das Pimpl-Team verdirbt Drittliga-Spitzenreiter Ketsch die Meister-Party und wittert Morgenluft. Bayernliga-Reserve wahrt die letzte Chance.

KETSCH/REGENSBURG. Eine Woche vor Ostern zu Tode betrübt, nun wieder eine Perspektive: Die beiden Frauenhandball-Teams sendeten Lebenszeichen: Beim designierten und bis Samstagabend in 18 Spielen verlustpunktfreien Drittligameister TSG Ketsch sorgte der Tabellenvorletzte für einen Paukenschlag.

[huge_it_slider id=”2″]

Mit 31:30 (19:10) nahm die Crew von Trainerin Judith Pimpl nach dem deprimierenden Heim-21:28 vor zwei Wochen gegen Pforzheim völlig unerwartet beide Zähler mit an die Donau. Weil in den Tagen zuvor Erstligist Spreefüxxe Berlin und Zweitligist Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern den Rückzug zum Saisonende angekündigt haben und dadurch Plätze frei werden, berechtigt der (erste) Abstiegsplatz zehn nun zur Relegation der Zehnten in den vier dritten Ligen.

Für das i-Tüpfelchen sorgte die zeitgleich spielende “Zweite”: Der Bayernliga-Vorletzte holte sich beim Heim-30:27 (13:14) gegen die SG Dietmannsried/Altusried die ersten Rückrunden-Zähler im neunten Anlauf und darf jetzt ebenfalls den Rechenschieber auspacken. Sollten die erste ESV-Mannschaft und HaSpo Bayreuth in der Ostgruppe der 3. Liga den Klassenverbleib schaffen, reicht sogar der nur zwei Punkte entfernt liegende Rang zwölf für den Ligaerhalt.

Dudelsack vor dem Spiel

610 Zuschauer auf der Tribüne, die Sponsoren komplett im VIP-Bereich, stimmungsanheizende Dudelsack-Bläser und Ehrungen für den Nachwuchs, der Meisterschaften eingefahren hat, aber: Die Verantwortlichen der TSG Ketsch hatten die Rechnung ohne ihre Gäste aus der Domstadt gemacht. Die sensationell hohe 19:10-Führung des ESV zur Halbzeit war eine zu große Hypothek, um Zählbares zu erobern. Obwohl die Einheimischen nach dem 30:31-Anschlusstreffer noch 94 Sekunden Zeit hatten, um zumindest einen Zähler zu retten. Umso höher zu bewerten ist das Husarenstück, weil Jugend-Nationalspielerin Franzi Peter erneut früh (27.) mit der dritten Zeitstrafe ausgeschieden war.

Tags darauf war Judith Pimpl (“Das war vorher ein Spektakel und ein noch größeres war nach dem Spiel geplant.”) bei der Analyse mit der MZ noch immer baff: “31 Tore, 19 in einer Halbzeit – das ist außergewöhnlich.” Die Trainerin hob die “überzeugende Einstellung und das aufopferungsvolle Kämpfen” hervor: “Die Mädels wollten sich keine Blöße geben und sich nicht niedermähen lassen”.

Das Erfolgsrezept in der ersten Hälfte: Fast jeder Wurf war ein Tor, so dass Ketsch nicht zum Kontern kam, außerdem verhinderte man die immer angesetzte schnelle Mitte der TSG. “Und Ketschs Laufwege haben wir durch viel Beinarbeit zerstört”, analysierte Pimpl die Positionsabwehr und fügte zufrieden an: “Wir haben in letzter Zeit viel Abwehrarbeit trainiert.”

Ein Quartett spielt durch

“Die vier haben das Spiel getragen und mussten 60 Minuten durchackern”, lobte die 50-Jährige ihre Schützlinge Sara Walzik (Linksaußen/Halbrechts), Anna Fuhrmann (Halblinks), Nikola Kubesova (Mitte) und die wieder erstarkte Linda Baumgardten (Rechtsaußen und Halblinks). Als der designierte Zweitligist seinen Rhythmus fand und bei Regensburg die Kräfte schwanden, wurde es eng und enger.

3. Liga: TSG Ketsch – ESV 1927 Regensburg 30:31 (10:19). Spielfilm: 1:4, 3:6, 5:8, 6:12, 8:14, 9:18, 10:19 – 10:21, 12:23, 13:24, 16:25, 20:26, 21:28, 26:28, 26:30, 28:31, 30:31. Strafwürfe: 3/3 – 4/4. Strafminuten: 4 – 8. Tore ESV:Baumgardten 10/4, Walzik 6, Fuhrmann, Kubesova je 5, Haberkorn 2, Rektorschik, Bestle, Peter je 1.

Von Gerd Winkler, MZ

Foto: © Nlenhardt@t-online.de

Translate »
%d Bloggern gefällt das: