Stand der Dinge [MZ]

ESV im Würgegriff von Corona

Beim Handball-Drittligisten ist Teamtraining derzeit nicht möglich. Ab 21. November soll aber wieder gespielt werden.

Von Gerd Winkler, Mittelbayerische Zeitung

Dieter Müller, die graue Eminenz von Frauen-Drittligist ESV 1927, hat in seiner 48-jährigen Laufbahn als Funktionär einiges erlebt. Anfang der 90er Jahre saß der Abteilungsleiter sogar im Büro von Rechtsanwalt Dr. Reinhard Rauball. Der langjährige Präsident von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund und ehemalige Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL) vertrat die Eisenbahner im Streit mit dem Bayerischen Handballverband wegen des in Frage stehenden Spielrechts der A-Jugend in der Bayernliga.

“Herr Müller, kein Problem, das kriegen wir schon hin”, hat der 72-Jährige die Einschätzung des Sportrechtlers und im März 1999 für acht Tage amtierenden Justizministers von Nordrhein-Westfalen noch heute im Ohr. Von wegen, es kam anders: “Wir haben gegen den BHV verloren.” Überhaupt habe der ESV bis heute praktisch in jeder Streitigkeit mit dem Verband den Kürzeren gezogen, murrt Müller: “Der BHV hat uns schon oft das Leben schwergemacht. Mit Oberpfälzern können oder wollen die wohl nicht”. Inwieweit all diese Erfahrungen den Abteilungsleiter zum gefühlten passionierten – auf gut Bairisch – Grantelhauer haben werden lassen, kann er trotz eines Schmunzelns nicht beantworten: “Man darf doch als Verein etwas bezweifeln dürfen.”

Der Abteilungsleiter stöhnt Das Kalenderjahr 2020 mit den Corona-Umständen stellt für den Abteilungsleiter alles Dagewesene in Summe in den Schatten. “Bislang mussten wir uns im Laufe der Jahre mit einzelnen Fällen oder einzelnen Mannschaften beschäftigen, aber heuer mit Corona kommt alles zusammen”, stöhnt Müller: “Jetzt geht es darum, die komplette Abteilung am Leben zu halten – finanziell wie sportlich.”

Tiefpunkte waren im April der aus finanziellen Gründen erwogene Verzicht auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga sowie im Halbfinale stehend der eingestampfte BHV-Pokal, an dessen Ende der Einzug in die erste Runde des DHB-Pokals gestanden hätte. Des Weiteren das vom BHV erstellte diskutable Ranking bei der knapp gescheiterten Qualifikation für die Jugend-Bundesliga. Das hätte der A-Jugend von Coach Robert Torunsky wohl fünf Neuzugänge beschert. Das i-Tüpfelchen war im Sommer der vom Verband zunächst in Aussicht gestellte und dann verweigerte Aufstieg des Männerteams in die Landesliga.

Aufgrund der Pandemie erfolgte der Auftakt in der 3. Liga Süd für die Frauen heuer mit vier Wochen Verzögerung Mitte Oktober. Mit den zwei Auswärtssiegen in Gröbenzell und bei Würm-Mitte kamen Franzi Peter und Co. ideal aus den Startlöchern. Jetzt ruht jedoch der vom DHB organisierte Spielbetrieb vorläufig erst einmal bis zum 15. November. Am Mittwoch trudelte vom Verband frohe Kunde ein, zitiert Müller die E-Mail: “Für uns gilt der Profistatus, so dass wir ab sofort wieder trainieren dürfen”. Tags darauf war die Rückkehr in die Halle Makulatur. Eine Spielerin hatte das Ergebnis eines positiven Corona-Tests erhalten. Daraufhin ließ sich die komplette Mannschaft testen – mit dem Resultat am Freitag, dass zwei weitere Akteure betroffen sind.

Das bedeutet, dass an gemeinsames Üben im “Bunker” nun nicht zu denken ist. “Diese und mindestens nächste Woche haben sich die Mädels individuell fit zu halten. Wir haben ja ein Ziel vor Augen”, berichtet Co-Trainer Jan Kauer. Die Bunkerladies hätten ein Programm bekommen: an welchen Tagen welche Strecke mit welchem Puls zu laufen sei, und an welchen Tagen Übungen mit Kräftigung und Stabilisieren des Körpers zu leisten sind. Im Lager der Eisenbahner geht man davon aus, dass es am 21. November – sofern der DHB grünes Licht von der Politik erhält – mit dem Spitzenspiel beim punktgleichen SV Allensbach weitergeht.
Peter dann wohl wieder fit Kein Schaden ohne Nutzen: Bis dahin könnte Schlüsselspielerin Franzi Peter nach auskuriertem Bänderanriss fit sein. Die abgesagte Heimpremiere am 14. November gegen Neuling FA Göppingen wäre für die Linkshänderin vermutlich zu früh gekommen.

Foto: H.C. Wagner

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