Mit Demut, aber voller Selbstvertrauen

3. Liga:

ESV-Handballerinnen wollen am Sonntag ihren Lauf fortsetzen und hoffen bei der FSG Waiblingen/Korb II auf den vierten Sieg in Serie.

Regensburg. Vier Spieltage in der Süd-Staffel der 3. Liga gespielt und wer das Tabellenbild so getippt hätte, könnte sich mit Fug und Recht Prophet nennen. Der Vorjahressiebte aus Kandel hat eine Partie mehr ausgetragen und ist trotz dreier Minuspunkte aktueller Spitzenreiter, während der große Aufstiegsfavorit, Zweitligaabsteiger TSV Haunstetten mit 5:5 Mittelfeld dümpelt.

Auch Rang drei und 6:2 Punkte für den ESV 1927 Regensburg waren ohne hellseherische Fähigkeiten so nicht zu erwarten – schon gar nicht nach der 23:24-Heimniedelage gegen Aufsteiger Ketsch II. Drei beeindruckende Siege in Serie – bei Spitzenreiter Kandel, gegen Titelkandidat Möglingen und zuletzt der 40:25-Kantersieg bei Aufsteiger SG OBK – haben den Fastabsteiger der Vorsaison in diese tolle Position gebracht.

Die soll weiter ausgebaut werden, denn noch ist nicht einmal ein Viertel der Spielzeit absolviert. „Auch wenn der Blick auf die Tabelle natürlich sehr schön ist, dürfen wir nicht nach oben schauen, sondern wollen uns weiter nach unten absichern“, mahnt Trainer Stefan von Frankenberg. „Wir dürfen keinen Höhenkoller bekommen und glauben, es läuft alles von selbst. Aber das ist auch nicht die Mentalität der Mannschaft.“

Trotz der tollen Leistung und des Auswärtssieges mit 15 Toren Differenz sei längst noch nicht alles gefestigt. „Wir hatten gegen die SG OBK auch Phasen drin, mit denen Du gegen stärkere Gegner keine Chancen hast“, so von Frankenberg. Auch wenn der Gegner als Tabellenelfter nur einen Platz besser notiert ist als der letzte Gegner, dürfte er aus mehreren Gründen stärker einzuschätzen sein.

Chiara Baur

Die Zweitligareserve hat gegen SG OBK ebenfalls gewonnen, könnte für das Heimspiel Unterstützung aus der ersten Mannschaft erhalten und möchte sich zudem für die 29:43-Heimklatsche gegen die SG BBM Bietigheim II rehabilitieren. Dazu wird auch Rückraumtalent Chiara Baur, Tochter von Weltmeister Markus Baur, nach abgelaufener Wechselsperre ihr Debüt bei Waiblingen/Korb feiern. FSG-Coach Nadir Arif fordert, dass sein Team die Erfahrung der Bietigheim-Partie schnell aus den Köpfen bekommt. Arif geht davon aus, dass eine deutliche Leistungssteigerung vonnöten ist, um die „Eisenbahnerinnen“ aus der Erfolgsspur entgleisen zu lassen.

Aus Regensburger Sicht muss es in erster Linie darum gehen, von Anfang an hochkonzentriert gegen den motivierten, aber auch verunsicherten Gegner zu agieren. „Wir müssen die gefährlichen Halbspieler noch früher attackieren und nach Ballgewinnen blitzschnell umschalten“, gibt von Frankenberg die Marschrichtung vor. Die 43 Gegentore gegen Bietigheim lassen erahnen, dass Rückwärtsbewegung und Verschieben in der Formationsabwehr zuletzt nicht zu den Stärken der Spielgemeinschaft zählten.

„Deswegen wollen wir den Gegner vom Anpfiff an durch Tempohandball unter Druck setzen und auch im Positionsangriff konsequent auf die Lücken gehen.“ Personell kann der Coach dabei aus dem Vollen schöpfen und auf den kompletten Kader zurückgreifen. Sein junges Team müsse, nachdem es nun sehr gut laufe, damit umzugehen lernen, auch mit der Favoritenstellung zu leben.

„Mit dieser Situation musst Du auch erst einmal fertig werden, dieses Gefühl kennt bislang kaum eine meiner Spielerinnen. Aber das ist ein Prozess den wir annehmen wollen und müssen, denn der Druck im Abstiegskampf ist deutlich unangenehmer.“ Bei aller Vorsicht gehen die Oberpfälzerinnen die Mission auch durchaus optimistisch an. „Wir fahren mit Demut, aber voller Selbstvertrauen nach Waiblingen“, sagt Stefan von Frankenberg und hofft auf einen erfolgreichen Sonntagnachmittag in der Staufer-Halle.

Vor dem zweiten Auswärtsspiel in Serie gab es frohe Kunde aus dem Lazarett für die Trainer Stefan von Frankenberg/Ingo Gömmel: Linkshänderin Andrea Vlachova meldete sich nach ihrer im Spiel gegen die SG OBK erlittenen Schulterverletzung im Training zurück. Damit kann das Duo erneut auf den kompletten Kader zurückgreifen. Ein Luxusproblem in Sachen Aufstellung, das Vorgängerin Judith Pimpl – zumindest gefühlt – so gut wie nie vergönnt war. Die volle Bank will der ESV erneut zu Hochgeschwindigkeitshandball nutzen – und damit den vierten Sieg in Folge feiern.