Machtdemonstration der U19

Regensburg bleibt im Juniorinnenhandball eine uneinnehmbare Festung: Wie bereits 2015 dominierte Deutschland auch diesmal das dreitägige Turnier um den Startplatz für die Endrunde der Europameisterschaft und sicherte sich mit zwei überzeugenden Siegen das EM-Ticket (27. Juli bis 6. August).

Über 2000 Zuschauer hatten am Wochenende das dreitägige Turnier und die überzeugenden Siege der DHB-Auswahl gegen Lettland (48:17) und Polen (37:20) in der Sporthalle Nord verfolgt.

Das deutsche Team hatte am Freitagabend einen Einstand nach Maß gefeiert und Lettland beim 48:17(24:8)-Auftaktsieg regelrecht demontiert. Lokalmatadorin Franziska Peter vom Ausrichter ESV 1927 Regensburg hatte bis zur 20. Minute ausharren müssen, bis sie das Parkett in ihrer Heimatstadt betreten durfte.

Die 18-jährige Linkshänderin war jedoch sofort präsent und bediente bei zwei Pässen ihre Nebenspielerinnen mustergültig. Peters erster Wurf landete krachend an der Latte, doch das sollte der einzige Fehlwurf der Regensburgerin an diesem Abend bleiben. Ihr erstes Tor erzielte die deutsche Nr. 18 passenderweise zum 18:7 mit einem abgezockt verwandelten Strafwurf.

Peter ließ in der ersten Hälfte noch zwei weitere Tore folgen und war am Ende mit fünf Treffern zusammen mit Nina Reißberg vom HC Leipzig erfolgreichste Deutsche. Das Trainergespann Bohm/Pfänder konnte angesichts der deutlich gelagerten Kräfteverhältnisse viel wechseln, allen Akteuren Einsatzzeiten geben und die Stammspielerinnen schonen.

Die in der zweiten Hälfte ausprobierte offensive Deckung zwang Lettland zu vielen Fehlern im Spielaufbau und ermöglichte zahlreiche einfache Tore aus Gegenstößen. Auch das Zaubern kam nicht zu kurz: Die gebürtige Bayerin Mia Zschocke verwandelte kurz vor dem Abpfiff des souverän agierenden dänischen Schiedsrichtergespanns Daniel Krause-Kjaer/Nicklas Pedersen ein Kempa-Anspiel spektakulär mit einem Rückhandtor aus der Luft.

Die 50-Tore-Marke wurde um zwei Tore verfehlt, aber das wäre auch zu viel des Guten gewesen. Lettland war nach der 17:48-Niederlage derart bedient, dass die Trainerin kurzfristig das für Samstag angesetzte Vormittagstraining absagte.

Aber auch gegen Polen konnte Lettland am Folgetag wenig Akzente setzen. In der ersten Hälfte führten die Polinnen bereits deutlich mit 21:10, doch nach dem Seitenwechsel kam es knüppeldick für Lettland: Ohnehin ersatzgeschwächt angereist wurde der 14er-Kader durch zwei leichte Verletzungen und eine Rote Karte nach der dritten Zeitstrafe weiter dezimiert.

Gegen die körperlich überlegenen und beherzt zupackenden Polinnen war kein Kraut gewachsen und Lettland blieb 25 Minuten ohne Treffer – im Handball und vor allem auf internationalem Niveau eigentlich undenkbar. Dann war der Bann endlich gebrochen, doch Polen feierte einen 39:13-Kantersieg. Der Zuschauerzuspruch war auch ohne deutsche Beteiligung mit rund 450 Interessierten sehr erfreulich.

Die Machtdemonstration der Polinnen gegen Lettland ließ ein spannendes Finale am Sonntag erwarten und die Gastgeber hatten Respekt vor dem Gegner. Dementsprechend groß war auch der Zuschauerdrang, sodass die Organisatoren des ESV 1927 erneut „ausverkauft“ vermelden konnten. Beiden Mannschaften war angesichts der enormen Bedeutung die Nervosität deutlich anzumerken. So prägten technische Fehler und Fehlwürfe die ersten Angriffe.

DHB-Spielführerin Mia Zschocke brach dann den Bann und erzielte mit einem Durchbruch resolut das 1:0. Die gebürtige Unterfränkin vom Bundesligisten TSV Bayer 04 Leverkusen zeichnete für die ersten drei Treffer verantwortlich. Franziska Peter hatte sich aufgrund der starken Leistung vom Freitag in die Startformation gespielt, ein Tor war der Regensburgerin an diesem Nachmittag jedoch nicht vergönnt.

Die Linkshänderin überzeugte aber mit mehreren tollen Anspielen und verrichtete zudem in der Deckung gegen Polens Hauptangreiferin Paulina Uscinowicz Schwerstarbeit. Die deutsche Abwehr war an diesem Abend ohnehin das Prunkstück. Dahinter verzeichnete Torhüterin Sarah Wachter zahlreiche Glanzparaden und zog damit den polnischen Angreiferinnen den Zahn.

Die erspielten sich gute Möglichkeiten, ließen aber unter anderem allein im ersten Durchgang zwei Strafwürfe ungenutzt. Dadurch führte Deutschland zur Pause mit 17:8. Zu dem überragenden Zwischenresultat hatte auch die dritte Bayerin im Team, Amelie Bayerl vom HCD Gröbenzell, mit einer bärenstarken Leistung beigetragen.

Nach Wiederanpfiff beorderte Trainerin Bohm Katharina Filter ins Tor und die konnte die starke Leistung Wachters sogar noch toppen. Filter entschärfte etliche Hochkaräter, traf sogar einmal selbst ins verwaiste polnische Tor und sorgte für die Vorentscheidung.

Obwohl die DHB-Coaches allen Spielerinnen Einsatzzeiten gab, entstand kein Bruch im Spiel: Deutschland spielte sich in einen wahren Rausch und spielte Traumhandball. Am Ende stand ein nie für möglich gehaltener 37:20-Kantersieg auf der Anzeigetafel. „Wir haben einen unglaublichen breiten Kader mit durchgängig hoher Qualität, das ist unsere Stärke“, nannte eine äußerst zufriedene Trainerin Bohm direkt nach der Begegnung das Erfolgsrezept.

Die Zuschauer belohnten die Galavorstellung der Mannschaft bereits Minuten vor dem Abpfiff mit Standing Ovations und die Spielerinnen feierten ausgelassen den Erfolg, der im Juli und August in Slowenien fortgesetzt werden soll. In dieser Form gehört Deutschland ohne Zweifel zu den Mitfavoriten auf den Titel.

 

Statistik Lettland – Deutschland in Regensburg 17:48 (8:24) 

Deutschland: Katharina Filter (Buxtehuder SV), Sarah Wachter (TV Nellingen/SC Korb) – Louisa De Bellis (SG BBM Bietigheim/2), Nina Reißberg (HC Leipzig/5), Amelie Berger (TSV Bayer 04 Leverkusen/4), Nina Fischer (SG BBM Bietigheim/3), Amelie Bayerl (HCD Gröbenzell/3), Mia Zschocke (TSV Bayer 04 Leverkusen/3), Elisa Stuttfeld (TV Nellingen/4), Franziska Peter (ESV 1927 Regensburg/5), Isabelle Dölle (HSG Hannover-Badenstedt/3), Lena Degenhardt (SG H2Ku Herrenberg/2), Julia Maidhof (Bensheim Auerbach/4), Annika Lott (TSV Bayer 04 Leverkusen/2), Alicia Soffel (FSG Mainz 05/Buddenheim/4), Nele Franz (HSG Blomberg-Lippe/4)

Beste Werferin Lettland: Purvina (6)

 

Statistik Deutschland –Polen in Regensburg 37:20 (17:8)

Deutschland: Katharina Filter (Buxtehuder SV/1), Sarah Wachter (TV Nellingen/SC Korb) – Louisa De Bellis (SG BBM Bietigheim/1), Nina Reißberg (HC Leipzig/2), Amelie Berger (TSV Bayer 04 Leverkusen/3), Nina Fischer (SG BBM Bietigheim/1), Amelie Bayerl (HCD Gröbenzell/3), Mia Zschocke (TSV Bayer 04 Leverkusen/6), Elisa Stuttfeld (TV Nellingen/2), Franziska Peter (ESV 1927 Regensburg), Isabelle Dölle (HSG Hannover-Badenstedt/2), Lena Degenhardt (SG H2Ku Herrenberg/3), Julia Maidhof (Bensheim Auerbach), Annika Lott (TSV Bayer 04 Leverkusen/5), Alicia Soffel (FSG Mainz 05/Buddenheim/5), Nele Franz (HSG Blomberg-Lippe/3)

Beste Werferin Polen: Swiercek (5)

 

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