HSG Würm-Mitte vs. Bunker Ladies – der XL-Bericht [MZ]

Die Rumpftruppe lässt nichts anbrennen

Den Ausfall von Franzi Peter stecken die Bunkerladies weg: Der ESV 1927 siegt bei der HSG Würm-Mitte 28:17. Nun setzt jedoch die 3. Liga Süd mindestens bis 15. November aus

Von Gerd Winkler, Mittelbayerische Zeitung

Künftig dürfte Franzi Peter nicht mehr so stürmisch unterwegs sein – auf dem Spielfeld natürlich schon, aber daheim! Der spieldominanten Linkshänderin im rechten Rückraum des Drittligisten ESV 1927 Regensburg ist nämlich die letzte Stufe zum Verhängnis geworden, die einen schmerzhaften Sturz zur Folge hatte. Das bittere Resultat: Im Auswärtsspiel tags darauf bei Aufsteiger HSG Würm-Mitte konnte die Ex-Junioren-Nationalspielerin mit dickem Knöchel nur auf der Bank mitfiebern. Plötzlich ohne Linkshänderin im Rückraum ließen jedoch die Mitspielerinnen nichts anbrennen. Mit 28:17 (14:10) verbuchte die Truppe von Trainer Csaba Szücs am Samstagabend im zweiten (Auswärts)Spiel die Saisonzähler drei und vier.

Wie schwerwiegend die Verletzung von Franzi Peter ist, wird sich am Montag beim Arztbesuch herausstellen. Während die wurfgewaltige Halbrechts zur Klärung vermutlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) über sich ergehen lassen muss, wird Abteilungsleiter Dieter Müller bei der Stadt Regensburg vorstellig werden. Es gilt zu klären, ob das Drittligateam weiter im “Bunker” trainieren darf. Südwestlich von München wissen die Verantwortlichen indes schon Bescheid: Ab dem heutigen Montag stehen der HSG Würm-Mitte keine Sporthallen zum Üben zur Verfügung.

Der Deutsche Handballbund hat derweil beschlossen, den Spielbetrieb in den 3. Ligen – Frauen wie Männer – bis 15. November auszusetzen. Bis dahin möchte der Verband abklären, welcher Status für diese Liga gilt: Profi- oder Amateursport. Denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat hierzu folgende Forderung an die Politik formuliert: “Nach DOSB-Verständnis fallen alle ersten bis dritten Ligen in olympischen und nicht-olympischen Sportarten sowie die vierte Liga im Männerfußball unter die Definition ,Profisport’.” Im Amateurbereich ist der Trainings- und Spielbetrieb ab dem heutigen Montag untersagt. Der Bayerische Handballverband hat schon vor zehn Tagen auf die steigenden Zahlen bei der Pandemie und bei den Spielausfällen reagiert – sämtliche Spiele bis auf Weiteres abgesetzt.

Not im Rückraum, Luxus am Kreis

Im Gastspiel beim mit zwei Niederlagen gestarteten Aufsteiger waren Coach Szücs personell die Hände arg gebunden: Mit Isabell Toth ist studienbedingt erst im neuen Jahr zu rechnen und die leicht kränkelnde Annalena Kessler blieb als Vorsichtsmaßnahme zuhause, so dass nach dem Ausfall von Franzi Peter mit Amelie Bayerl, Anna Fuhrmann und Nicole Lederer nur noch drei etablierte Rückraumkräfte übrig blieben. Andererseits hatte Szücs den Luxus, drei Kreisläuferinnen an Bord zu haben, die im Positionsangriff in dieser Liga auf anderen Positionen jedoch kaum weiterhelfen. Beim einen oder anderen Angriff auf zwei Akteure am Kreis zu setzen, um einer Spielerin vom Rückraumtrio eine Erholungspause zu gönnen, macht für den Trainer keinen Sinn: “Mit zwei Verbliebenen im Rückraum betreiben wir dann bei denen einen Raubbau an Kräften.”

Das kurz vor ihrem 17. Geburtstag stehende Nesthäkchen Sophia Peter, eigentlich auf Rückraum Mitte „Zuhause“ und wie ihre Schwester, die unter der Woche ihren 22. Geburtstag feiern durfte, mit großem Potenzial gesegnet, war auf dem linken Flügel gesetzt. In der Schlussphase rotierte Szücs ordentlich durch, so dass Sophia Peter dann doch noch in der Schaltzentrale ran durfte. Außerdem kamen jetzt Rekonvaleszentin Carina Vetter sowie die von der Bayernliga-Mannschaft hochgezogene Lucia Rau auf den Flügeln zum Einsatz. Bei ihrem Debüt verpasste es Rau sich in die Torschützenliste einzutragen: Ihr Strafwurf wurde von Würm-Mittes Torfrau unschädlich gemacht (57.).

Würm-Mitte hatte beim Aufwärmen Wind von Peters Ausfall bekommen und wohl deshalb mit einer vom ESV nicht einkalkulierten, weil ungewohnten 3:2:1-Deckung begonnen. “Der Gegner hat auf einen Überraschungseffekt gehofft, zu verhindern, dass wir ins Spiel kommen”, sagte Szücs: “Klar ist es da schwerer, den Ball laufen zu lassen. Auch, weil uns im Rückraum eine Linkshänderin gefehlt hat und das Spiel sich dadurch sowieso erheblich ändert”. Vorige Saison hätte er sich der Haudegen getan, als mit der Tschechin Andrea Vlachová eine weitere Linkshänderin für den Rückraum zum Kader zählte.

Zur Pause vier Tore vorne

Mit der Auszeit bei 5:7 (10.) korrigierte HSG-Trainerin Stefanie Mittasch ihre Taktik auf eine defensivere Abwehrvariante. Der Überraschungseffekt mit dem offensiven Abwehrverbund hatte bis zur einzigen Führung, dem zwischenzeitlichen 3:2 (5.), gehalten. In der Folge ging hüben wie drüben etwas der Spielfluss verloren. Die Qualität der Wurfposition verschlechterte sich, die Torhüter bekamen öfter die Hand an den Ball – es fielen weniger Treffer. Die Schlüsselszene spielte sich in den Schlusssekunden der ersten Hälfte ab: Regensburgs Keeper Natalia Krupa wehrte einen Ball ab und schickte postwendend mit einem genialen langen Ball ihre Rechtsaußen Nicole Schiegerl auf die Reise, die technisch hochwertig zum 14:10-Pausenstand abschloss. Anstatt einer übersichtlichen 13:11-Führung gingen die Bunkerladies mit einem Vier-Tore-Polster in die Kabinen. Nach dem Seitenwechsel tat sich Würm-Mitte immer schwerer, Lücken in Regensburgs Abwehr zu finden. Derweil hatte Nicole Lederer ihren Rhythmus gefunden und erzielte binnen 17 Minuten (ab 42.) fünf Feldtore. In den zehn Minuten vor und nach der Halbzeit agierte die Halblinks auf der für sie ungewohnten Halbrechtsposition bei den Abspielen desöfteren fahrig.

Weil tags darauf die TuS Metzingen II 16 Sekunden vor Schluss das entscheidende Gegentor bei der 28:29 (16:14)-Niederlage in Nellingen kassierte, gehen die Eisenbahner als Tabellenzweiter (Tordifferenz: +16) aus dem Wochenende hervor. Jeweils 4:0 Punkte weisen auch Spitzenreiter SV Allensbach (+26), Nellingen (+12) und der TSV Wolfschlugen (+8) auf. Das erste Heimspiel der Saison 2020/21 am 14. November gegen Aufsteiger FA Göppingen ist abgesagt. Mit dem vom DHB noch abzuklärenden “Profistatus” würden die Bunkerladies eine Woche später in Allensbach gastieren.

Die Statistik:
HSG Würm-Mitte – ESV 1927 Regensburg 17:28 (10:14)
Spielfilm: 3:2, 4:5, 5:9, 7:11, 9:13, 10:14 – 12:16, 14:18, 15:22, 16:25, 17:28. Strafwürfe: 2/2 – 2/1. Strafminuten: 2 – 2. Tore: Lederer 7, Schiegerl 7/1, Bayerl 5, Mustafic, S. Peter je 3, Drachsler 2, Fuhrmann – Huber 5/2, Leipple 4, Putzke, Müller je 3, Niedermeyer, Hirsch.

Foto: H.C. Wagner

3. Liga Süd

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