Finale furioso zum Pimpl-Abschied

Ersatzgeschwächte Regensburger Drittliga-Handballerinnen besiegen im Spitzenspiel Waiblingen mit 40:31 und beenden glänzende Saison auf Platz drei.

Der Handballgott outete sich am Samstagabend als Fan des ESV 1927 Regensburg, denn er goss sein Füllhorn des Glücks großflächig über die altehrwürdige Sporthalle an der Dechbettener Brücke. Der letzte Spieltag der Saison 2014/2015 wurde so zum Finale furioso, denn den „Eisenbahnerinnen“ gelang auf der letzten Fahrt unter Lokführerin Judith Pimpl ein nicht für möglich gehaltener 40:31(19:17)-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Waiblingen. Damit beendeten die Regensburgerinnen einen glänzende Saison auf dem dritten Platz der 3. Liga Süd, der besten Platzierung seit dem Aufstieg in die 2. Liga im Jahre 2004.

Das war so überhaupt nicht zu erwarten, denn angesichts der Tabellenkonstellation – und vor allem der Personalsituation – war eher zu befürchten, dass der ESV noch auf Rang sechs oder sogar sieben durchgereicht werden würde. Mit Juniorennationalspielerin Franzi Peter, die mit der ESV-B-Jugend erfolgreich in der Vorrunde der Deutschen Meisterschaft spielte, sowie Rechtsaußen Mirela Negrutiu-Chirila und Halblinks Linda Baumgardten fehlten neben den Langzeitverletzten drei Korsettstangen im Team. Der verbliebene Rest ließ sich aber nicht unterkriegen und bewies von Anfang an, dass sie den favorisierten Gästen die Punkte nicht kampflos überlassen wurden.

Es entwickelte sich eine torreiche Partie mit hohem Unterhaltungswert. Die Angriffsreihen zeigten schöne Kombinationen und entschlossene Würfe. Die Defensivverbände ließen sie aber hüben wie drüben aber auch zu sehr gewähren: Da auch die Torhüter kaum einen Ball zu fassen bekamen, fielen bereits in den ersten 30 Minuten 36 Tore. Den letzten Treffer in Hälfte eins hatte Nicole Schiegerl praktisch mit der Halbzeitsirene kurios mit einem Schlagwurf von der Rechtsaußenposition erzielt.

Nach Wiederanpfiff änderte sich wenig und die Zuschauer wurden weiter bestens unterhalten. Gestützt auf einige Paraden von Ines Flesch konnte sich der ESV aber noch etwas weiter absetzen. Hauptverantwortlich dafür waren die bärenstarken Sara Walzik, Melanie Meyer und Natascha Weber, die jeweils sieben Treffer erzielten, sowie die vor allem auch in Unterzahl abgezockt agierende Nicole Odersky (6). Eine kritische Phase beim 31:27 überstanden die Gastgeberinnen dann unbeschadet und drei Treffer in Serie bedeuteten die Vorentscheidung. Der Tabellendritte aus Waiblingen hatte nun aufgegeben und Regensburg spielte sich in einen Rausch. Als Anna Fuhrmann dann den 40:31-Endstand erzielte, kannte die Freude keine Grenzen. Die Mannschaft hatte sich selbst belohnt und die personell mit Abstand schwierigste Saison seit Jahren mit der besten Platzierung – Rang drei – abgeschlossen. Einen besseren Abschied hätte sich Judith Pimpl, die nach neun erfolgreichen Jahren als Trainerin und insgesamt 28 Jahren beim ESV eine Handballpause einlegen wird, nicht wünschen können. Das gilt auch für die Spielerinnen, die nach der Partie von Abteilungsleiter Dieter Müller „schweren Herzens“ verabschiedet wurden: Melanie Meyer und Nicole Schiegerl zieht es berufsbedingt zu ihren Heimatvereinen, Natascha Weber (Ausland) und Sara Walzik machen eine Handballpause. Alle Spielerinnen, die seit vielen Jahren allein fürs Training Hunderte von Kilometern pro Woche auf sich genommen hatten, sind herbe Verluste. Dementsprechend emotional war die Verabschiedung und viele Tränen mussten getrocknet werden, bevor das Erreichte gebührend gefeiert wurde.

Spielfilm: 2:1, 4:2, 6:4, 7:7, 10:9, 12:11, 14:13, 17:16, 19:17 – 21:17, 23:19, 26:20, 29:22, 31:24, 31:27, 34:28, 37:30, 40:31.

Strafwürfe: 3/3 – 7/7.

Strafminuten: 2 – 3.

Tore ESV: Walzik 7, Weber 7/1, Meyer 7/2, Odersky 6, Albescu 5, Fuhrmann, Schiegerl je 3, Zimmermann 2.

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