Bericht zu den Bunkerboys [MZ]

Für die Stress-Situationen im Spiel braucht es die Routiniers

Die jungen Spieler sind noch nicht so weit, den ESV alleine auf einen Aufstiegsplatz zu führen

Von Gerd Winkler, Mittelbayerische Zeitung

Nach den zwei denkbar knapp verpassten Meisterschaften zuletzt blendet Bernie Goldbach, Trainer von Handball-Bezirksoberligist ESV 1927 Regensburg, nach fast der Hälfte der laufenden Saison die Tabelle vorläufig aus. Während der mittlerweile von der dritten Liga durchgereichte Landesliga-Absteiger SG Auerbach/Pegnitz mit 16:0 Punkten bislang seiner Rolle als Topfavorit gerecht wird, haben die Eisenbahner schon sieben Zähler abgegeben. Dabei haben vorige Saison satte 35:5 Punkte sogar nur zur Vizemeisterschaft gereicht.

“In der jetzigen Situation brauchen wir nicht auf die Tabelle schauen”, kommentiert Goldbach den dritten Platz im gefühlten Niemandsland. Das Leben und der Handball gehen dennoch weiter: “Für uns ist jetzt das Allerwichtigste, von Spieltag zu Spieltag zu schauen und zu sehen, dass wir uns weiterentwickeln.” Dass es heuer wohl nicht so rund laufen wird, schwante Goldbach am Ende der Vorbereitungsphase. Angesichts des einzuleitenden Umbruchs hatte er sich vor dem Punktspielauftakt im September bedeckt gehalten, ob sein Team ganz vorne mitspielen könne: “Wir müssen die richtige Mischung finden und Konstanz reinbringen.” Der Start ging gleich mächtig in die Hose: Der ESV kassierte eine 23:26-Pleite beim HC Forchheim, der im Frühjahr noch um den Klassenverbleib zittern musste.

“Anders als die Jahre zuvor haben wir deutlich mehr junge Spieler einzubauen”, begründet Goldbach das Hinterherhecheln in diesem Jahr. Das entscheidende Problem sei, dass es sich im Gegensatz zu den vorangegangenen zwei Jahren nun um die spieltragenden Positionen im Rückraum und hinten im Mittelblock handelt. Für einen A-Jugendlichen sei es über die Außenposition natürlich leichter, sich auf einem höheren Niveau zu akklimatisieren und ins Gefüge reinzukommen, stellt er klar. Nun, in den Punktspielen, sei halt Lehrgeld zu zahlen: “Das sind alles Schritte und Wege, bei denen Lernprozesse dabei sind.”

Die jungen Spieler sollten im Rückraum eigentlich “immer die in etwa gleiche Leistung abrufen, befinden sich aber selbst noch in der Findungsphase”, berichtet Goldbach. Fehle ein Gestandener, werde es schwierig, fehle ein zweiter gestandener Spieler werde es grenzwertig für die jungen Wilden. Basti Schaller, Christoph Deml, Florian Mertens, Johannes Simbeck, Nico Zulawski und der vom Verletzungspech arg gebeutelte Moritz Vater sollen früher oder später in die Fußstapfen von Steve Müller (37) und Benedikt Fuchs (32) treten.

Das lange Jahre in der Bayernliga (TB Roding) und Landesliga (SG Regensburg) gestählte Rückraum-Duo übernehme von der ersten Minute an die Verantwortung, gehe voran und versuche, dem Spiel den Stempel aufzudrücken, beschreibt Goldbach deren große Verantwortung. “Im Handball ist es so, dass es mal zehn Minuten nicht so läuft. Dann kann das Spiel in eine ganz andere Richtung gehen”, sagt Goldbach. Hier zähle die Erfahrung. Heißt: In den entscheidenden Situationen die richtigen Entscheidungen fällen – wer bekommt den Ball, wer wirft, wer geht auf den Gegner drauf.

Obwohl sie noch in der A-Jugend spielen dürften, sind Simbeck und Zulawski beim ESV schon Stammspieler, berichtet Goldbach und betont: “In der Bezirksoberliga gibt es keine Mannschaft, in der zwei so junge Spieler schon gesetzt sind.” Geduld sei halt gefragt, um früher oder später die Früchte zu ernten.

Arbeitssiege seien notwendig

Während einer Partie gelte es, blockierende Rädchen wieder frei zu bekommen. Dazu seien die Routiniers in den Stresssituationen gefordert. Gelinge das von Woche zu Woche, sei der nächste Schritt möglich. “Um eine Aufstiegssaison zu spielen, müssen die Rädchen ineinandergreifen”, nennt Goldbach als Idealziel. “Wir müssen auch Spiele gewinnen, in denen wir nicht unseren besten Tag haben”, weiß Goldbach um den Wert von sogenannten Arbeitssiegen und stellt klar: “Wir haben letztes Jahr auch nicht jeden Gegner in Grund und Boden gespielt.”

Vorrundenende: Am Samstag fährt der ESV (3., 11:7 Punkte) zum TV Erlangen-Bruck III (4., 10:6), ehe es dann in die fünfwöchige Weihnachtspause geht.

Rückrunde: Am 18. Januar startet die Goldbach-Truppe mit einem Heimspiel, unter Umständen schon wieder im heimischen Bunker, gegen den HC Forchheim (9., 6:12). Es folgt das Gastspiel bei Aufsteiger HG Amberg (10., 6:12).

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