Bericht Damen 1 vs. TV Möglingen

Handball-Feiertag in Regensburg: ESV stürzt Spitzenreiter Möglingen

Am ungewohnten Dienstagnachmittag machten die Drittliga-Handballerinnen des ESV 1927 Regensburg das scheinbar Unmögliche wahr und den Feier- zum Festtag: Die Oberpfälzerinnen drehten nach einem 9:14-Pausenstand das Duell mit Spitzenreiter Möglingen und gewannen am Ende mit 26:23.

Der Tabellenführer aus Schwaben war nach dem Wochenende das einzig verbliebene verlustpunktfreie Team der Süd-Staffel, denn Zweitligaabsteiger Haunstetten hatte beim 16:16-Unentschieden in Kandel überraschend den ersten Zähler abgegeben. Das Resultat und der nachfolgende 23:19-Auswärtssieg des TSV in Herzogenaurach lassen den souveränen 31:26-Erfolg Regensburgs in Kandel in einem noch besseren Licht erscheinen.

Von diesem Glanz war in den Anfangsminuten aber nichts zu sehen: Die Domstädterinnen lagen schnell mit 0:5 im Hintertreffen und die Zuschauer in der prall gefüllten Sporthalle an der Dechbettener Brücke fühlten sich an den Februar zurückerinnert, als Möglingen beim 20:35 an gleicher Stelle überhaupt nichts anbrennen ließ. Die tolle Kulisse war für die jungen Gastgeberinnen zunächst eine Bürde: „Das müssen wir unbedingt abstellen“, resümierte Trainer Stefan von Frankenberg. „Ein Spiel vor vollen Rängen muss Kräfte freisetzen und darf uns nicht lähmen.“ In der Tat wirkten die Oberpfälzerinnen hypernervös und scheiterten häufig an der starken Gästekeeperin Dominika Baranski.

Von Frankenberg musste so bereits nach nur 6:25 gespielten Minuten zur grünen Karte greifen und nach der Auszeit lief es tatsächlich ein weniger besser für das Heimteam. Die eingewechselte Keeperin Chiara Zellner konnte die ersten Paraden verbuchen und Juniorinnennationalspielerin Franzi Peter brach in der Offensive den Bann. In der 21. Minute sorgte die erneut bärenstarke Spielmacherin Natascha Weber für den Anschlusstreffer zum 7:9 und brachte ihre Farben damit in Schlagdistanz.

Doch das entpuppte sich als Strohfeuer: In der Folgezeit sorgte nämlich hauptsächlich die eklatante Wurfschwäche von den Außenpositionen – nur zwei von zehn Möglichkeiten von den Flügeln wurden in Durchgang eins genutzt – dafür, dass Möglingen die Führung auf den 14:9-Pausenstand aus TV-Sicht ausbauen konnte.

 

Wer angesichts der Schlussphase noch öffentlich auf die Regensburgerinnen gesetzt hätte, wäre vermutlich zur Dopingkontrolle oder in die Ausnüchterungszelle geschickt worden, denn eigentlich sprach nichts für eine Wende. „Vielleicht war der vermeidbare hohe Rückstand zur Pause sogar gut für uns, denn Möglingen war dadurch etwas zu siegessicher“, blickte von Frankenberg zurück. „Ich habe den Mädels in der Kabine gesagt, dass wenn wir bis zur 50. Minute nochmal rankommen, wir sie mit unserer Kondition packen können.“ Nach Wiederanpfiff war es erneut Linkshänderin Peter, die zuerst für den ESV traf – und das sogar in Reihe. Dazu brachte eine doppelte Zeitstrafe die Gäste in Bedrängnis.

Nun waren die Gastgeberinnen voll da und die Abwehr machte es Möglingen immer schwerer, erfolgreich zum Abschluss zu kommen. In der ESV-Deckung hatte sich bereits im ersten Durchgang die Einwechslung von Kreisläuferin Julia Drachsler bezahlt gemacht, die auch in der Offensive eine tolle Vorstellung zeigte und jeden Wurf traf. Endlich war auch das Anfeuern der Fans Luft unter den Flügeln der Spielerinnen und vier Tore in Serie brachten nach 49 Minuten beim 21:20 die erste ESV-Führung.

Eine Zeitstrafe gegen die beste Werferin der Partie, Franzi Peter, konnte Möglingen zunächst nicht direkt verwerten und Torhüterin Zellner nutzte den Ballgewinn zu einem mutigen Konterpass auf Natascha Weber. Die ansonsten sehr ordentlich agierenden Schiedsrichter verwehrten dem Tor wegen angeblichen Kreisübertritts aber zum Entsetzen aller die Anerkennung und Gästetorjägerin Denise Geier holte mit einem Zweierpack die Führung (Spielstand 22:23 nach etwas über 54 Minuten) für den TV zurück.

Der ESV ließ sich aber nicht schocken und nach einem verwandelten Weber-Strafwurf stellte Rechtsaußen Mirela Negrutiu-Chirila auf 24:23 (56:04). Die nächsten 2,5 Minuten waren hüben wie drüben von Fehlwürfen und Ballverlusten geprägt und wurden durch jeweils eine Auszeit der Trainer in Realzeit um zwei Minuten verlängert. In der Halle war die Spannung überall greifbar. Coach von Frankenberg stellte 90 Sekunden vor Ultimo noch einmal um und beorderte die zwischenzeitlich als Linksaußen agierende Natascha Weber zurück auf die Spielmacherposition.

Die ließ sich auch von dem nicht gegebenen Treffer und Pech bei einem taktisch richtigen Heber nicht mehr aus dem Tunnel holen: Weber sorgte mit einem kompromisslos verwandelten Strafwurf nach sensationellen No-Look-Anspiel – bereits das zweite der Partie – auf ihre Kreisläuferin, die nur mit einem Foul zu stoppen war,  für die Entscheidung. Julia Drachsler krönte ihre Leistung und verwertete im nächsten Ballbesitz den letzten Angriff routiniert.

Die Schlusssirene ertönte und kollektiver Jubel über den 26:23-Endstand brach aus. Mit einer tollen Mannschaftsleistung wurde der Tabellenführer gestürzt und Regensburg verbesserte sich auf den dritten Platz. „Ich bin sehr stolz, wie die Mädels die erste Hälfte hinter sich gelassen und das Spiel gedreht haben“, lobte Stefan von Frankenberg das Kollektiv. „Jetzt haben wir ein spielfreies Wochenende vor uns und können uns noch länger über diesen tollen Sieg freuen.“

Selbstbewusst, gut ausgeruht und durch weitere Trainingseinheiten noch besser eingespielt soll dann am 14. Oktober beim Aufsteiger SG OBK der nächste Erfolg für den Klassenerhalt eingefahren werden. Bis dahin können sich die Spielerinnen und Verantwortlichen aber über Rang drei und eine denkwürdige Begegnung freuen.

 

ESV 1927 Regensburg:

Tor: Zellner, Ruzicka

Feld: Peter 8, Weber 7/4, Drachsler 4, Brockschmidt, Negrutiu-Chirila je 2, Albescu, Rektorschik, Vlachova je 1 sowie Baumgardten, Bertuccini, Fuhrmann und Sommerer (n.e.).

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