Bericht D1 vs. Bietigheim II

Eine Nummer zu groß

So souverän wie sich die Bundesliga-Damen der SG BBM Bietigheim die Meisterschaft in der vergangenen Saison geholt hatten, trat auch die „Talentschmiede“ genannte Reserve der Schwaben auf. Der Spitzenreiter zeigte am Samstagabend eine bärenstarke Leistung in der ESV-Sporthalle und ließ den vor dem Anpfiff auf Rang vier notierten Gastgeberinnen beim 25:34(14:16) keine Chance. Die Zuschauer im gut gefüllten Bunker hatten sich viel von dem Spitzenspiel versprochen und wurden nicht enttäuscht, denn es entwickelte sich von Beginn an ein torreicher Schlagabtausch.

Bietigheim setzte in der Offensive auf eine siebte Angreiferin und erspielte sich ohne Torhüterin im Kasten in Dauerüberzahl erstklassige Möglichkeiten. Der Klassenprimus nutzte die Chancen im Stile einer Spitzenmannschaft und lag so von Beginn an leicht in Front. Der ESV wusste ebenfalls zu überzeugen und präsentierte sich vor allem aus dem Rückraum sehr durchschlagskräftig. Nach 14 Minuten (7:10) hatten die Schiedsrichter bereits 17 Treffer notiert und Regensburg kam wenig später durch Treffer in Serie sogar zum Ausgleich. In der Folgezeit litt der ESV aber darunter, dass sehr gut herausgespielte Möglichkeiten nicht verwertet werden konnten. Von den Außenpositionen ging fast gar nichts, vom Kreis – allerdings auch bei deutlich weniger Wurfchancen – gelang in Durchgang eins überhaupt kein Treffer.

Abwehr und Torhüterin Zellner konnten gegen die abgeklärten, wurfstarken Gäste wenig Ballgewinne erzielen und verpassten es dazu drei Mal, das geharzte Spielgerät ins verwaiste Bietigheimer Gehäuse zu werfen. Dass der Rückstand zur Pause (14:16) trotzdem nur zwei Tore betrug, lag an der starken Vorstellung der Rückraumspielerinnen Natascha Weber, Franzi Peter und Lavinia Albescu, die alle hochprozentig trafen. Kurz nach dem Seitenwechsel konnten die Regensburgerinnen eine Überzahl nicht nutzen und sie benötigten über fünf Minuten, um den ersten eigenen Treffer zu erzielen.

Nun reduzierte sich auch die Quote bei den Rückraumwürfen, dazu gesellten sich vermeidbare technische Fehler und Fehlpässe. In dieser Phase machte sich die Abstinenz von der verletzten Anna Fuhrmann und der gesperrten Rechtsaußen Mirela Negrutiu-Chirila besonders bemerkbar, die mit ihrer Abwehrstärke und Offensivpotenzial für Entlastung hätten sorgen können. Bietigheim nutzte die ESV-Unzulänglichkeiten gnadenlos aus: Spielmacherin Lena Vogt zog über 60 Minuten geschickt die Fäden und setzte ihre Nebenleute Lena Klingler (10/7 Tore) Jasmina Vrgovcevic (8) und Ann Kynast (7) ein, die auf Zweitliganiveau warfen und trafen. So zogen die Gäste auf 26:16 davon und ESV-Coach Stefan von Frankenberg musste 16 Minuten vor dem Ende eine Auszeit dazu verwenden, dass sich sein Team nicht abschießen lassen würde.

Die Worte des Übungsleiters fanden Gehör, denn das Heimteam stemmte sich fortan wieder mit mehr Vehemenz gegen die Niederlage. Moral und Einsatz stimmten, was etwa an einer Flugeinlage von Laura Brockschmidt zu erkennen war, die einen Ball artistisch ins Tor beförderte. Auch Torhüterin Zellner, die wieder zwischen die Pfosten zurückgekehrt war, konnte Bietigheim nun einige Bälle abkaufen. Am verdienten Sieger änderte dies freilich nichts mehr und Bietigheim konnte ausgelassen einen 34:25-Auswärtserfolg bejubeln. Für die Gäste, die bereits bei allen Konkurrenten angetreten sind und diese in der Rückrunde nun in eigener Halle erwarten, war es ein großer Schritt in Richtung Meisterschaft, da Verfolger Freiburg zeitgleich eine überraschende Heimpleite gegen Allensbach kassiert hatte.

Durch die zweite Niederlage in Folge ist der ESV auf Rang sechs abgerutscht, doch mit 12:8 Punkten sind die „Eisenbahnerinnen“ weiterhin voll Im Soll. Trainer von Frankenberg musste die Überlegenheit des Gegners anerkennen: „Bietigheim war stark und heute eine Nummer zu groß. Wir konnten nur eine Halbzeit mithalten und haben auf einigen Positionen das Duell deutlich verloren.“

Die Regensburgerinnen haben nun ein spielfreies Wochenende und gastieren dann zum Hinrunden- und zugleich Jahresabschluss am 9. Dezember bei einer weiteren Bundesliga-Reserve, dem Tabellendritten TuS Metzingen II.

 

ESV 27 Regensburg – SG Bietigheim II 25:34 (14:16).

Spielfilm: 2:4, 4:6, 6:8, 8:10, 10:12, 12:14, 14:16 – 15:22, 16:26, 19:27, 21:29, 22:32, 25:34. Strafwürfe: 2/2 – 10/7. Strafminuten: 6 – 6. Tore ESV: Weber 9/2, Albescu 5, F. Peter 4, Vlachova, Brockschmidt je 2, Drachsler, Mooser, Zellner je 1.

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