Aufstieg in die Bayernliga [MZ]

ESV II kehrt in die Frauen-Bayernliga zurück

Der Drittliga-Unterbau holt mit Coach Daniel Kessler die Landesliga-Meisterschaft

von Gerd Winkler, MZ

Zweimal schrammten die Handballfrauen des ESV 1927 Regensburg II um Haaresbreite am Abstieg aus der Bayernliga vorbei, im April 2016 war es dann doch so weit: Der Unterbau des Drittligisten musste den bitteren Gang in die Landesliga antreten. Nun melden sich die Eisenbahnerinnen zurück: Als souveräner 34:6-Punkte-Tabellenführer der vorzeitig wegen der Corona-Krise abgebrochenen Saison mit einer beeindruckenden Tordifferenz von plus 175 Treffern machte der ESV den Aufstieg perfekt. Sechs Spieltage vor Schluss hatte die Truppe von Trainer Daniel Kessler ein Polster von sechs Zählern auf das Verfolgerfeld aufgebaut.

“Als Fazit der Saison kann man kurz und knapp sagen: Das erste und das letzte Spiel verloren, dazwischen überragend gespielt”, kommentiert Kessler das zweite Jahr unter seiner Regie. In seiner Premierensaison ging der ESV II mit 26:26 Punkten als Achter über die Ziellinie der Landesliga Nord. “Die Mädels haben es geschafft, ihr Potenzial heuer deutlich besser auszuschöpfen. Über gute Leistungen im Training und im Spiel haben wir uns immer mehr Selbstbewusstsein geholt”, begründet Kessler die Steigerung: “Und in Phasen in denen es mal nicht so gut lief, haben die Mädels einen kühlen Kopf bewahrt und vor allem an einem Strang gezogen.”

In der Vorbereitung im vorigen Sommer hätten alle mitgezogen, blickt Kessler zurück. “Es hat wirklich Spaß gemacht zu sehen, wie das Vertrauen in die eigene Stärke und in unser Spielsystem gewachsen ist. Buchstäblich von Training zu Training und von Spiel zu Spiel merkte man eine Entwicklung”, fügt der 42-Jährige an. Dennoch hielt der Coach vor dem Saisonstart den Ball flach, von einem möglichen Aufstieg war nicht die Rede. Verständlich, denn sechs Stammkräfte, an der Spitze die Leistungsträger Jasmin Ellwanger (Karriereende) und Carina Vetter (hochgezogen zum Drittliga-Team), zählten nicht mehr zum Kader. Dem standen die Zugänge Annelie Galgenmüller (vorher VfL Günzburg) und Ronja Netsch (SG Marktleuthen/Niederlamitz) sowie Rückkehrerin Mariella Bertuccini (SG Mintraching/Neutraubling) gegenüber.

Auf dem Papier verfügte Kessler über einen schmalen Zwölferkader. Jedoch stießen Woche für Woche Talente aus dem Nachwuchs hinzu, möglich gemacht durch eine geschickte Abstimmung mit dem Spielplan der Bayernliga-A-Juniorinnen. Sophia Peter, Andreea Popovici und Annalena Kessler avancierten von Beginn an zu Stammkräften, Eva-Maria Höllriegl und Lena Heid kamen zu sporadischen Einsätzen. Glückliche Umstände kamen hinzu: Die für das Drittligateam vorgesehene Isabell Toth wollte mangels Spielpraxis ab Herbst im Rückraum der Zweiten spielen, die Drittliga-erfahrene Kreisläuferin Lisa Haberkorn kehrte beruflich bedingt im Januar nach Regensburg zurück.

Der Startschuss erfolgte mit einem Athletik- und Teambuilding-Trainingslager in Gneißen/Rattenberg, in dem neben ersten Reizen in der Athletik “ein besonderer Teamgeist entwickelt wurde, der uns durch die ganze Saison getragen hat”, so Kessler. Den letzten Feinschliff holte sich die Mannschaft beim dreitägigen Trainingslager in Pilsen, dem erfolgreiche Auftritte im BHV-Pokal über TV Marktleugast (BOL) und MTV Stadeln (Bayernliga) folgten.

Der Punktspiel-Auftakt ging aber mit 19:33 bei Neuling TV Marktsteft in die Hose. “Im Nachhinein war diese Abreibung ein Weckruf”, sagt der Trainer: “Im nächsten Training habe ich deutlich angesprochen, dass das nicht unser Anspruch ist und es so keinen Spaß macht.” Die Kopfwäsche zeigte Wirkung: In den nächsten 18 Spielen blieb der ESV ungeschlagen, gab nur zwei Zähler ab. Am 7. März riss mit einem 25:30 in Pleichach die Serie. Was folgte war der Abbruch wegen der Corona-Pandemie.

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