Auch Ex-Rivalen bringen ESV voran [MZ]

Auch Ex-Rivalen bringen ESV voran

Früher waren sie für die RT, SG Post/ Süd und HG Jahn/Nord am Ball, nach der aktiven Karriere schieben sie nun als Jugendtrainer an.


Von Gerd Winkler, MZ

REGENSBURG Die traditionsreiche Regensburger Turnerschaft nimmt mit einer Männer- und Frauen-Mannschaft in der Bezirksliga am Spielbetrieb teil, die früher nicht minder erfolgreiche SG Post/Süd hat zumindest drei Mädchen-Teams angemeldet, während die HG Jahn/Nord nach ihrer Blütezeit in den 90er Jahren nicht einmal mehr auf dem Papier besteht: Der heutigen Spielergeneration ist bestenfalls durch “Überlieferungen” bekannt, wer früher im Regensburger Handball dominierte.

Was das Trio eint: Die fahrlässig vernachlässigte Jugendarbeit, gerade im männlichen Bereich, führte über kurz oder lang zu den heutigen Kräfteverhältnissen. Offensichtlich hatten Funktionäre den klangvollen Namen ihres Vereins überschätzt. Beispiel: Nach der Ära von Ex-Bundestrainer Vlado Stenzel bei der RT sagte Christine Schween selbstbewusst: “Wir sind die RT, wir kriegen immer Spieler für unsere 1. Mannschaft.” So kann man sich täuschen!

Die Kräfteverhältnisse haben sich längst gedreht: Im Frauen-Handball ist der ESV 1927 Regensburg seit der Jahrtausendwende das Maß aller Dinge. Im Männer-Handball ist die SG Regensburg – ein Zusammenschluss im Sommer 1989 der Abteilungen des Sportclubs und des DJK-Sportbunds – die Nummer eins in der Domstadt, obwohl vor einer Dekade mangels Personal Ungemach drohte. Doch die SG kriegte die Kurve, weil eine glückliche Fügung – nämlich Rodings Bayernliga-Aus – einen Schwung an dort spielenden Regensburgern an die Alfons-Auer-Straße spülte. Beim ESV hat sich der Männer-Handball in den letzten Jahren aus eigener Kraft gemausert.

Vor der Gebietsreform des Bayerischen Handballverbandes 1999 stand das starke Geschlecht klar im Schatten der Frauen. In den 90er Jahren kamen die Eisenbahner über zwei kurze Abstecher in der Bezirksliga – heute zu vergleichen mit der Bezirksoberliga – nicht hinaus. Im Frühjahr 2007 gelang der Aufstieg in die BOL, die fünf Jahre gehalten wurde: Wegen des direkten Vergleichs musste der Abstieg quittiert werden. Nun kam der ESV in den Genuss einer glücklichen Fügung: Linda Baumgardten wechselte vom HC Städtedreieck zu den Bayernliga-A-Juniorinnen des ESV. Quasi im Schlepptau fand Vater Lutz den Weg an die Dechbettener Brücke.
Den heute 64-Jährigen hatte es aus Coburg studienbedingt nach Regensburg verschlagen, sportlich schlug der großgewachsene Rückraumspieler seine Zelte bei der RT auf. Nach dem bitteren BOL-Abstieg der Männer im Jahr 2012 übernahm der Hauptschullehrer das Team. Unter seiner Regie gelang per Relegation (25:23 und 24:23 über Buckenhofen) die sofortige Rückkehr und in der Premierensaison 2013/14 auf Platz acht der Ligaerhalt.

Wechsel in den Jugendbereich Baumgardten übergab den Stab an Dieter Müller und Sabine Dafner (ehemals Ehlis) und stieg in den Jugendbereich ein. Mit Hubert Lengsfeld, einem Kind der SG Post/Süd, schrieb man Geschichte: Erstmals qualifizierte sich mit der C-Jugend ein männliches Nachwuchsteam für die Bayernliga. Das i-Tüpfelchen folgte mit der bayerischen Meisterschaft – mit dem jetzt bei den Füchse Berlin unter Vertrag stehenden Ex-Junioren-Nationalspieler Nils Lichtlein.

Sechs Jahre begleitete Baumgardten, zunächst mit Lengsfeld, dann mit Stefan Moritz (ehemals RT), den Jahrgang bis zur abgebrochenen Corona-Saison, davon zwei Jahre in der B- und ein Jahr in der A-Jugend-Bayernliga, zuletzt zwei Jahre in der Landesliga. In der Zwischenzeit engagierten sich weitere ehemalige Handballer im ESV-Jugendbereich des ESV: Erich Zulawski und Jürgen Lehner (beide HG Jahn/Nord), Florian Höpfl (ATSV Kelheim und SG Regensburg), das Vater-Sohn-Gespann Hermann und Daniel Kainz sowie Karl-Heinz Gassner (alle RT) sowie der amtierende 2. Abteilungsleiter Guido Bertuccini (Post/Süd), Jugendkoordinator Robert Torunsky (HG Amberg und RT) und Vize-Jugendleiter Jan Kauer (SG). Von den derzeit aktiven Handballern sind mittlerweile Roy Müller (SG), Tobi Oursin (Amberg) und Same Faizi (TSV Neutraubling) an Bord gegangen.

Trainer 2020/21 im männlichen Bereich
A-Jugend (aktuell 19 Spieler, Meldung für Bayernliga): Roy Müller, Tobi Oursin, Stefan Moritz
B-Jugend (20, Bayernliga, evtl. Landesliga): “Wir sind noch in Gesprächen, wer die Mannschaft übernimmt”, kündigt Jugendleiterin Kati Goldbach an.
C-Jugend (18, Landesliga): Florian Höpfl, Philipp Stahl, Same Faizi
D-Jugend (16, BOL): Karl-Heinz Gassner, Matthias Brönner, Julius Müller
Herren II: Hier ist man noch auf Suche, nachdem der hierfür prädestinierte Lutz Baumgardten ein “Sabbat-Jahr” einlegen will.

„Die A-Jugendlichen, die rauskommen, sind eine Bereicherung. Die waren über Jahre hinweg in der Bayernliga und Landesliga im Spiel die Stresssituationen gewohnt.”

Lutz Baumgardten (Handballtrainer – seit sechs Jahren von der C- bis zur A-Jugend)

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